Der Wechsel des Stromanbieters gehoert zu den wirksamsten Massnahmen, um die Energiekosten eines Haushalts zu senken. Viele Verbraucher scheuen den Aufwand, obwohl die Abwicklung weitgehend automatisiert ablaeuft und in der Regel keine Unterbrechung der Versorgung bedeutet. Wer die fuenf klassischen Schritte kennt, erledigt den Wechsel in wenigen Minuten am Computer und spart im Schnitt zweistellige bis dreistellige Betraege im Jahr. Dieser Ratgeber begleitet Sie von der Ermittlung des eigenen Verbrauchs ueber den Tarifvergleich bis zur eigentlichen Beauftragung. Er erklaert zudem, warum ein Wechsel meist nahtlos funktioniert und worauf Sie bei Fristen, Mindestlaufzeiten und Sonderkuendigungsrechten achten sollten. Am Ende finden Sie eine Uebersicht der haeufigsten Fragen rund um den Anbieterwechsel.
Warum sich der Wechsel lohnt
Strom wird in Deutschland an der Stromboerse gehandelt, und die Endpreise fuer Haushalte unterscheiden sich zwischen den Anbietern teils deutlich. Waehrend die Grundversorgung des oertlichen Verteilnetzbetreibers oft zum Regelpreis erfolgt, buhlen die freien Anbieter mit guenstigeren Arbeitspreisen und teils Boni um Neukunden. Ein Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn der bisherige Vertrag in die Preisstufe fuer Bestandskunden gerutscht ist, was nach Ablauf von Aktionsperioden haeufig geschieht.
Die nachfolgende Tabelle zeigt Richtwerte fuer einen Modellhaushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 3.500 Kilowattstunden. Die Angaben sind Spannen, weil die tatsaechlichen Werte von Region, Netzebene und Zahl der Personen im Haushalt abhaengen. Sie verdeutlichen jedoch, dass die Ersparnis im Vergleich zur Grundversorgung erheblich sein kann.
| Position | Grundversorgung ca. | Wechseltarif ca. | Differenz ca. |
|---|---|---|---|
| Arbeitspreis je kWh | 33 bis 38 ct | 29 bis 33 ct | 4 bis 5 ct je kWh |
| Grundpreis im Monat | 13 bis 17 € | 10 bis 14 € | 3 € im Monat |
| Jahreskosten gesamt | rund 1.300 € | rund 1.050 € | ca. 250 € |
| Neukundenbonus | keiner | 40 bis 120 € | einmalig |
Schritt 1: Verbrauch und Zaehlerstand ermitteln
Bevor Sie einen Tarifvergleich starten, benoetigen Sie zwei Zahlen: den jaehrlichen Stromverbrauch und den aktuellen Zaehlerstand. Den Verbrauch finden Sie auf der letzten Jahresabrechnung. Liegt diese nicht vor, hilft ein Blick auf den Zaehler selbst sowie die Angabe der Personen im Haushalt. Ein Alleinhaushalt verbraucht rund 1.500 bis 2.000 Kilowattstunden, ein Vier-Personen-Haushalt eher 4.000 bis 5.000 Kilowattstunden im Jahr.
Den aktuellen Zaehlerstand notieren Sie sich genau, am besten mit Datum und Foto des Zaehlers. Er wird fuer die Abrechnung beim Wechsel benoetigt, damit der alte Anbieter bis zu diesem Stand abrechnet und der neue Anbieter ab dort liefert. Ein falsch abgelesener Stand fuehrt spaeter zu Korrekturen, die Zeit kosten. Viele Messstellen sind inzwischen digital ausgelesen, der Wert steht dann in der Kundenoberflaeche des bisherigen Anbieters.
- Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung ablesen oder schaetzen
- Zaehlerstand mit Datum notieren, bei Digitalzaehlern aus dem Portal uebernehmen
- Postleitzahl und Ort des Anschlusses bereithalten, da Netzentgelte regional schwanken
- Zaehlernummer (im Zaehlerpass oder auf der Rechnung) notieren
- Vertragsende des bestehenden Tarifs pruefen, um Fristen zu treffen
Schritt 2: Tarife vergleichen
Im Vergleichsrechner geben Sie Verbrauch, Postleitzahl und gewuenschte Laufzeit ein. Achten Sie darauf, nicht nur nach dem guenstigsten Monatspreis zu sortieren, sondern den Effektivpreis ueber die gesamte Laufzeit zu betrachten. Aktionspreise gelten haeufig nur fuer die ersten zwoelf Monate, danach steigt der Arbeitspreis. Ein Tarif mit leicht hoeherem Einstiegspreis, aber dauerhaft guenstigem Arbeitspreis, kann am Ende guenstiger sein.
Die wichtigsten Vergleichskriterien sind neben dem Preis die Preisgarantie, die Vertragslaufzeit, die Kuendigungsfrist und die Bonusbedingungen. Eine Preisgarantie schuetzt vor Erhoehungen der Beschaffungskosten, nicht zwingend vor steigenden Steuern und Abgaben. Die nachfolgende Tabelle ordnet die Tarifarten nach Laufzeit und typischer Eignung.
| Tarifart | Laufzeit ca. | Kuendigung | geeignet fuer |
|---|---|---|---|
| Variabel monatlich | keine | jederzeit 14 Tage | Unsichere Planung |
| 12 Monate mit Bonus | 12 Monate | 4 Wochen zum Laufzeitende | Sparwillige mit Plan |
| 24 Monate gesperrt | 24 Monate | erst nach 23 Monaten | Sehr stabile Preise |
| Oekostrom fest | 12 bis 24 Monate | 4 bis 6 Wochen | Nachhaltigkeit |
Schritt 3: Anbieter auswaehlen und beauftragen
Nach dem Vergleich waehlen Sie den Tarif aus und fuelle das Online-Formular aus. Sie benoetigen den Zaehlerstand, die Zaehlernummer und Ihre Bankverbindung fuer den Lastschrifteinzug. Viele Anbieter uebernehmen die Kuendigung des alten Vertrags im sogenannten Abwicklungsauftrag. Geben Sie hierbei das Vertragsende korrekt an, damit der neue Anbieter nicht zu frueh oder zu spaet liefert.
Bei der Beauftragung sollten Sie die Bestaetigungsmail aufbewahren. Sie enthaelt das vorlaeufige Lieferdatum und die Bedingungen. Einige Anbieter verlangen eine separate Einzugsermaechtigung, die Sie unterschreiben muessen. Der Wechsel selbst kostet beim Verbraucher keine Gebuehr, die Abwicklung zwischen den Anbietern uebernimmt der neue Lieferant ueber den Netzbetreiber.
Achten Sie auf die Bonusbedingungen. Der Neukundenbonus wird meist erst nach zwoelf Monaten und bei fortbestehendem Vertrag ausgezahlt. Wer innerhalb der Mindestlaufzeit kuendigt, verliert den Anspruch oft komplett. Halten Sie die Laufzeit also durch, wenn der Bonus Teil der Rechnung sein soll.
Schritt 4: Die nahtlose Abwicklung verstehen
Ein Irrtum ist weit verbreitet: Viele glauben, beim Wechsel falle der Strom aus. Tatsaechlich bleibt die physikalische Lieferung ueber das Netz bestehen, nur der Haendler aendert sich. Der Netzbetreiber stellt die Leitung weiterhin zur Verfuegung, und der Zaehler wird kein zweites Mal umgebaut. Es kommt also zu keiner Unterbrechung, keinem Technikerbesuch und keiner neuen Dose an der Wand.
Die Abwicklung laeuft ueber den sogenannten Lieferwechsel. Der neue Anbieter meldet den Wechsel beim Netzbetreiber an, dieser bestaetigt den Termin. Der alte Anbieter rechnet bis zum Wechseltag ab, der neue beginnt ab dem Folgetag. Der Wechsel dauert in der Praxis rund zwei bis sechs Wochen, sofern die Daten stimmen. Verzoegerungen entstehen meist durch falsche Zaehlernummern oder offene Posten beim alten Anbieter.
| Phase | wer | Dauer ca. | was passiert |
|---|---|---|---|
| Anmeldung | neuer Anbieter | Tag 1 | Meldet Wechsel beim Netz an |
| Bestaetigung | Netzbetreiber | 3 bis 10 Tage | Termin wird zugewiesen |
| Lieferbeginn | neuer Anbieter | ab 2 bis 6 Wochen | Liefert ab Zaehlerstand |
| Schlussrechnung | alter Anbieter | 4 bis 8 Wochen | Rechnet Rest ab |
Schritt 5: Kuendigung und Uebergabe regeln
Wenn Sie den Abwicklungsauftrag erteilt haben, kuendigt der neue Anbieter den alten Vertrag fuer Sie zum passenden Termin. Moechten Sie selbst kuendigen, etwa weil der alte Vertrag vor Ablauf beendet werden soll, senden Sie die Kuendigung schriftlich mit drei Monaten Frist zum Vertragsende. Bei der Grundversorgung gilt eine Frist von zwei Wochen, sofern kein Sonderfall vorliegt.
Nach dem Wechsel pruefen Sie die erste Rechnung des neuen Anbieters auf Plausibilitaet. Stimmen Zaehlerstand und Verbrauch, ist der Wechsel erfolgreich abgeschlossen. Bewahren Sie die Schlussrechnung des alten Anbieters auf, damit Sie eine eventuelle Gutschrift erhalten. Eine Rueckzahlung erfolgt meist automatisch auf das bekannte Konto.
- Kuendigung ueber Abwicklungsauftrag oder eigenes Schreiben
- Frist von drei Monaten zum Vertragsende beachten
- Erstabrechnung des neuen Anbieters auf Zaehlerstand pruefen
- Schlussrechnung des alten Anbieters auf Guthaben pruefen
- Abschlagszahlung anpassen, falls Verbrauch abweicht
Sonderfaelle und was dabei gilt
In bestimmten Lebenslagen greift das Sonderkuendigungsrecht. Das ist etwa der Fall bei einem Umzug, bei einer Preiserhoehung des Anbieters oder beim Tod des Vertragsinhabers. In diesen Faellen koennen Sie weit vor Ablauf der Mindestlaufzeit kuendigen, teils mit nur dreissig Tagen Frist. Halten Sie Belege wie die Mieterhoehung oder die Abrechnung mit Preissteigerung bereit.
Bei einem Umzug innerhalb Deutschlands koennen Sie den Vertrag meist mitnehmen, sofern der neue Wohnort im Liefergebiet liegt. Liegt er ausserhalb, kuendigen Sie zum Umzugstag. Ein Wechsel des Anbieters zum Umzugstag ist moeglich, erfordert aber eine genaue Terminabstimmung, damit am neuen Ort nicht voruebergehend die Grundversorgung greift.
Kosten im Detail: Was der Wechsel wirklich kostet
Der Wechsel an sich ist fuer den Verbraucher kostenlos. Weder der neue Anbieter noch der Netzbetreiber verlangen eine Gebuehr fuer den Lieferwechsel, weil diese Kosten bereits in den Netzentgelten enthalten sind, die ohnehin jeder Anschluss zahlt. Was allenfalls anfaellt, ist eine Erstabschlagszahlung an den neuen Anbieter. Diese ist jedoch kein Entgelt, sondern nimmt lediglich die erwartete Verbrauchsrate vorweg und wird spaeter mit der Jahresabrechnung verrechnet. Wer seine Zahlungen im Blick behaelt, bemerkt daher keinen echten Mehraufwand, sondern nur eine Verschiebung des Zahlflusses vom alten zum neuen Anbieter.
In seltenen Faellen stellt der bisherige Anbieter eine Bearbeitungsgebuehr fuer die Schlussrechnung in Rechnung, sofern der Vertrag Sonderleistungen enthielt. Ueblich ist das bei Standardtarifen jedoch nicht. Eine moegliche indirekte Kostenfalle ist die Kaution. Manche Anbieter verlangen eine Sicherheitsleistung, die erst nach Vertragsende zurueckerstattet wird und zwischenzeitlich Kapital bindet. Pruefen Sie daher vor der Unterschrift, ob eine Kaution verlangt wird, in welcher Hoehe sie ausfaellt und wann sie zurueckfliesst, damit kein unerwarteter Betrag im Haushalt fehlt.
| Posten | typische Hoehe | wann |
|---|---|---|
| Wechselgebuehr | 0 € | entfaellt ueblich |
| Erstabschlag | rund 1 Monatsrate | bei Auftrag |
| Kaution | 0 bis 100 € | bei manchen Tarifen |
| Schlussrechnung | Guthaben moeglich | nach Abrechnung |
Die eigentliche Rechnung ist die Ersparnis. Wer von der Grundversorgung zu einem Wechseltarif wechselt, spart im Schnitt zweistellige bis dreistellige Betraege im Jahr. Diese Ersparnis uebersteigt den etwaigen Aufwand der Anmeldung bei weitem. Betrachten Sie den Wechsel daher als kurze Investition von zehn Minuten, die ein dauerhaft entlastetes Haushaltsbudget zur Folge hat.
Fazit: Der Wechsel ist weniger Aufwand als gedacht
Zusammengefasst ist der Stromanbieterwechsel ein Vorgang von wenigen Minuten mit Wirkung ueber ein ganzes Jahr. Fuenf Schritte fuehren zum Ziel: Verbrauch kennen, vergleichen, beauftragen, Abwicklung verstehen und Kuendigung sauber regeln. Die nahtlose Lieferung ueber das bestehende Netz macht den Wechsel risikoarm, und die Ersparnis rechtfertigt den kleinen Aufwand in den meisten Haushalten.
Wer regelmaessig, etwa alle zwoelf Monate, den Tarif prueft, vermeidet den Verfall in teure Bestandskundenpreise. Ein Wecker im Kalender zum Vertragsende ist die einfachste Sparstrategie. Die folgenden Fragen greifen typische Unsicherheiten auf, bevor Sie den naechsten Schritt gehen.
Haeufige Fragen
Wie lange dauert ein Stromanbieterwechsel?
In der Praxis dauert der Wechsel rund zwei bis sechs Wochen, sofern die Angaben zu Zaehlernummer und Zaehlerstand korrekt sind. Der neue Anbieter meldet den Termin beim Netzbetreiber an, der den Lieferwechsel koordiniert.
Faellt beim Wechsel der Strom aus?
Nein. Die physische Leitung bleibt bestehen, nur der liefernde Haendler aendert sich. Es gibt keine Unterbrechung, keinen Technikerbesuch und keinen Umbau des Zaehlers.
Wer kuendigt den alten Vertrag?
Bei einem Abwicklungsauftrag uebernimmt der neue Anbieter die Kuendigung. Moechten Sie selbst kuendigen, gilt meist eine Frist von drei Monaten zum Vertragsende, bei der Grundversorgung zwei Wochen.
Wann lohnt sich ein Wechsel besonders?
Ein Wechsel lohnt sich vor allem, wenn der alte Tarif in die Bestandskundenpreise gerutscht ist oder eine Aktionsphase endet. Bei einem Verbrauch von 3.500 kWh sind Ersparnisse von rund 200 bis 300 € im Jahr realistisch.
Was ist beim Neukundenbonus zu beachten?
Der Bonus wird meist erst nach zwoelf Monaten und bei fortbestehendem Vertrag ausgezahlt. Wer vorher kuendigt, verliert den Anspruch haeufig vollstaendig. Pruefen Sie die genauen Bedingungen vor der Beauftragung.
Kann ich den Vertrag bei einem Umzug mitnehmen?
Oft ja, sofern der neue Wohnort im Liefergebiet des Anbieters liegt. Liegt er ausserhalb, kuendigen Sie zum Umzugstag. Ein Wechsel zum Umzugstag ist moeglich, erfordert aber genaue Terminabstimmung.
